Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Letztes Feedback



http://myblog.de/christopher-kai

Gratis bloggen bei
myblog.de





Die Sage von Oakwood #2

Grenzlande


Wieder eine rastlose Nacht. Erneut kein Ruhe, die er hätte im Schlaf finden können. Stattdessen wieder eine Nacht im Albtraumland verbringen.


Sie hatten ihn wieder eingeholt. Die Wächter der Zeit, Geißeln des Chronos. Die Dahaka.

Egal, wohin er lief, wo er sich versteckte oder wie gut er sich zu verschleiern vermochte. Die Zeit und ihre Protektoren würden sich nicht hinters Licht führen lassen.


So kam es, dass Kai einmal mehr den dunklen Schleier der Nacht ausnutzte, um dem Zahn der Zeit und seinen wild gewordenen Bestien zu entkommen.


Er durchwanderte seit Jahren die Grenzlande. Ein düsterer und trostloser Ort. Die Bewohner dieser desolaten Einöde waren nicht freiwillig hier. Trauer, Verzweiflung, Angst – alle dieses Dämonen haben sie in diesen Sektor getrieben.


Schwarzer Himmel, verpestete Luft, sterbende Flora und Fauna. Flüsse aus Blut und brache Klüfte, die sich wie Narben durch die Ländereien zogen. Wahrlich kein Ort, den sich irgendjemand freiwillig zum Leben auswählen würde.


Ein Ort, wie geschaffen für jemanden, der nicht auffallen und sich verstecken wolle. Für jemanden, der nur eine weiteres farbloses Gesicht in der Maskerade sein wollte.

Also wählte er vor Jahren freiwillig das Leben im Schatten der Gesellschaft, um sich vor den Dahaka, vor Chronos und auch vor der Zeit selbst zu verbergen.


Dafür musste er sich natürlich von allem trennen, was ihm bis dahin lieb und teuer geworden war. Freunde, Verwandte, niemand durfte von seiner Agenda erfahren. Zu viel Wissen darüber könnte den Zorn der Dahaka auf sich ziehen und dann wären alle Mühen, die Kai sich während seiner Flucht abverlangt hatte, umsonst gewesen. Also zog er verschleiert durch die Welt, mit der Hoffnung, nicht erkannt zu werden und in den Schatten der anderen unbemerkt umherzuwandern.

Denn selbst, wenn die Dahaka ihn finden sollten und die Zeit ihn einholen würde, so wäre es nur ein weiteres erloschenes Licht in einem Ozean aus Kerzen. Er wolle durch sein Handeln nicht dafür verantwortlich sein, mehr als nur seiner Kerze die Flamme zu rauben.


Also blieb er weiterhin auf der Flucht. Manchmal gelang ihm dies besser als andere Male. Nicht selten genug fand er sich in der Krypta seiner Gedanken wieder, in den Katakomben seines Verstandes, wo er der Vergangenheit frönte und seine Kraft schöpfte, aus jenem Zeitpunkt, der vor der Verfolgung durch die Zeit selbst war.


Blieb er zu lange an diesem magischen Ort, fanden ihn die Dahaka und griffen ihn an. Schattendämonen, mit glühend roten Augen, schwarzen Hörnern, die dem Zeichen der Unendlichkeit glichen und Schwertern aus stahlhartem Sand.


Im Laufe der Zeit konnte Kai viele Informationen über die Dahaka sammeln. Bisher wusste niemand von einer Person, die je ihrem zeitlosen Griff entkam. Die Dahaka waren so unendlich wie die Zeit selbst, eine Legion an Wächtern, die das Schicksal und ihre Bestimmung im Universum in ihren in Stein gemeißelten Bahnen hielten.


Wollten die Dahaka also ein Detail in ihrem Plan ändern, eine Ungereimtheit, einen Fehler – kurz, eine Anomalie beseitigen, sie würden diesem Ziel nachkommen und obsiegen.


Einen Dahaka besiegen...“, dachte sich Kai, „das werde ich nie schaffen..Und dann sind mir auch noch zwei davon auf den Versen und ich bin nur einer. Nein, lieber versuche ich mein Glück und tauche im Grenzland unter und verstecke mich. Vielleicht kann ich ihnen ja so entkommen.“


Mit solchen Gedanken versuchte er sich durch die Tage, Monate und Jahre zu retten, in denen er vor den Protektoren der Zeit geflohen war und auch weiterhin auf der Flucht sein werde. Denn sich den Dahaka zu stellen, sie wirklich besiegen zu wollen, schien ihm in seiner Lage völlig absurd.


So häuften sich die Tage und Nächte, in denen er ruhe- und rastlos auf der Flucht war. Manchmal fragte er sich, warum er eigentlich fliehe. Was würde passieren, wenn das Schicksal ihn einhole ? Er würde sterben, zweifellos. Aber was wäre die Alternative, ewig vor dem Unausweichlichen davonlaufen ? Ist das noch etwas, dass sich „Leben“ schimpfen dürfte ? Oft gab es also Zeiten, in denen er, vom Wahnsinn gepackt, einfach auf die die Schergen des Chronos warten und die Reise zu seiner terminalen Destination antreten wollte.


Aber dann holte ihn wieder sein nicht zu selten abwesender Menschenverstand ein, der es dem Gott der Zeit nicht so einfach machen wollte. Wenn er untergehen würde, dann doch bitte mit gezückter Klinge und einem Lächeln im Angesicht des Todes. Wohl wissend, dass der Kampf gegen die Zeit das unausweichliche Ableben mit sich ziehen würde.


Heute aber sei es eine Nacht, in der Kai zu ausgezehrt von den Strapazen seines Alltags war. Er wollte sich Schlaf gönnen, egal wie riskant ihm dies erschien oder ob er sich wieder im Nachtmahrland wiederfand.


Noch wusste er nicht, wie bitter er diese Entscheidung bereuen würde. Sein Schlaf war tief. So tief war sein Schlaf lange nicht mehr. Kein Albtraum, keine Vision, nur ein Mensch, der sich Ruhe und Frieden suchte.


Umso schreckhafter war sein plötzliches Erwachen. Er spürte sie, wie er sie schon oft zuvor wahrgenommen und ihnen nur knapp entkommen war. Doch dieses mal bestand keine Chance, davonzulaufen. Sie waren bereits zu nah, um den Weg der Flucht zu bestreiten. Zu nah, um ihnen zu entkommen.


Kai wusste, es würde auf eine Konfrontation hinauslaufen. Heute sei die Nacht, in der Schicksal auf freien Willen treffen würde.


Dies ist die Nacht, in der ich dem Schicksal in die Fresse lachen werden !“, sagte Kai mit verschlafener, grinsender Miene. Obgleich er versuchte, sich Mut einzureden, gesittet den Vasallen der Zeit entgegenzutreten und seine temporären Ketten endlich zu brechen, so war er sich dennoch sicher, dass er es sein werde, der am Ende fallen würde.


Aber lieber den Mut der Verzweiflung auf seiner Seite als weiterhin wie ein Feigling weglaufen.


Also zog er seine Dolche und machte sich bereit, seinen Verfolgern ins Antlitz zu schauen und sich diesen zu stellen. Er würde diesmal nicht fliehen, warum auch. Die Dahaka waren sowieso schon viel zu nah und exzellente Spurensucher und Jäger, allzu lange würde er sich ihrem Griff eh nicht mehr entziehen können.


Er merkte, wie sich Zeit und Raum in ihrer Präsenz zu biegen begonnen. Der Bode bebte, während sie näher kamen. Er befand sich in einer verlassenen Scheune. Als Unterschlupf und Rastplatz schien ihm diese als sicheres Versteck zu dienen. Nun aber würde zwei Vollstrecker des Chronos durch die verschlossenen Tore stürmen und ihm nach dem Leben trachten.


Naja“, dachte er er sich,“egal ob ich hier heute sterben oder lebe, ich werde auf jeden Fall meine Ruhe finden“, schloss er seinen letzten Gedanken ab, bevor die Dahaka durch das Tor stürmten.


Er machte sich sofort bereit zum Kampf und sah seinen Kontrahenten an, dass sie nicht lange damit warten würden, ihn anzugreifen.


Anstatt zu warten, lief er also auf einen von ihnen zu und rammte diesem beide Klingen in die Brust. Zugegeben, er hielt sich nicht zurück und aus den dadurch entstandenen klaffenden Wunden floss schwarzer Sand heraus, was er als „Blut der Zeit“ interpretierte, aber sein Gegner erschien davon wenig beeindruckt. Seine Antwort darauf war ein geballter Hieb, der Kai an die hölzerne Wand der Scheune schmetterte.


Nach kurzer Benommenheit versuchte er sich aufzuraffen, spuckte Blut und begann, laut zu lachen.


Ich dachte immer, Zeit würde alle Wunden heilen. Nicht, dass Zeit wie ein Mädchen zuschlagen würde!“

Trotz seiner ausweglosen Situation hatte er sich wenigstens seinen Humor beibehalten.


Den Dahaka schien dies nicht sonderlich zu interessieren. Er packte Kai mit seiner Hand an seinem Hals, drückte ihn gegen die Holzwand der Scheune und hob ihn empor.


Da war er also. Der Moment des Ablebens. Die Zeit selbst würde ihm den Garaus machen. „Nicht der schlechteste Tod, der mich ereilen könnte“, dachte sich Kai. Nur wenige Moment entfernt vom Ende, während der Dahaka zum finalen Schlag ausholen wollte.


Sein vermeintlich letzter Blick fing eine Gestalt, die die Scheune durch das Loch betrat, wo vorher das Tor stand. Er konnte die Person nicht erkennen, denn wegen seine Kopfwunde hatte er Blut im Auge und sah die Silhouette der Person sehr undeutlich.


War Chronos selber gekommen, um dem Spektakel beizuwohnen ? Die Trophäe zu ernten, die ihm so lange durch die Finger glitt ? Für einen Moment fühlte Kai sich fast geehrt, dass sich der Herr der Zeit selbst von seinem Thron hinabbegeben hatte und die Drecksarbeit nicht nur seinen Schergen überließ.


Egal, wer den Coup de grâce landen würde, es würde die selbe Münze bleiben, nur verschiedene Seiten darstellen. Es wäre vorbei, das ist der silberne Faden am Ende dieser Geschichte.


Er sah, wie der Schemen ein Messer zog, azur wie das Meer. Er richtete dies in Richtung der Dahaka und Kai.


"Ein Messer also. Damit willst du mich niederstrecken?", sagte Kai in dem Glauben, der finale Moment sei eingetreten. Er schloss die Augen, sein Schicksal akzeptierend.


Die Dahaka jedoch schienen unruhig zu werden. Sie drehten sich um und starrten die humanoide Gestalt an, schrien in einer Sprache, die für sterbliche nicht zu verstehn war und einer von ihnen machte sich bereit, diesen zu attackieren.


"Ich bin nicht hier, um dich niederzustrecken", sagte die Entität und warf das Messer mit präziser Genauigkeit zwischen die Augen des Dahaka, der Kai gegen die Wand presste. Durchbohrt durch den blauen Dolch lies der Dahaka von Kai ab und ging zu Boden. Er erstarrte und löste sich in den Sand der Zeit auf, aus dem er geboren war.


Kai war fassungslos. Noch immer benommen von dem Angriff des Dahaka, stellte er sich die Frage, welches Wesen einen Dahaka töten könne und welches Artefakt dafür von Nöten sei.


"Hör auf, zu schwächeln, Junge ! Nimm den Dolch und bring es zu Ende !" Schrie er Kai zu.

Kai dachte nicht lange nach, er müsse schnell handeln. Er nahm die blaue Klinge an sich und stellte sich dem Monster im Zweikampf.


Beflügelt von der Heldentat, dass jemand einen Dahaka töten konnte und somit ihre Sterblichkeit unter Beweis gestellt hat, stürmte Kai seinen Gegner an und enthauptete das schattenhafte Wesen mit dem Messer. Auch diesmal zerfiel der Dahaka zu Sand und war besiegt.


Er hatte seine Verfolger erledigt. Viele Jahre der Flucht endeten mit der Hilfe eines Fremden und einem simplen Messer. Ihm gefiel dieser Gedanke. Ein Dolch bezwingt die Schergen des Gottes der Zeit.


Als der Moment des Kampfes sich zur Ruhe legte und Kai einen Moment hatte, sich zu beruhigen, wollte er sich bei dem Fremden bedanken und ihm Fragen stellen. Fragen, die sein Leben verändern sollten.


Als Kai also auf den Mann zuging und mit ihm sprechen wollte, sagte er Kai, dass der Kampf erst begonnen habe, denn die Dahaka würden erneut die Fährte nach Kai und nun auch nach ihm aufnehmen. Kai solle also den Dolch an sich nehmen und machen, was der Fremde für Kai tat. Die Dahaka zur Strecke bringen, anderen Menschen helfen – Die Hand des Schicksals forcieren.


"Du kannst natürlich weiterhin weglaufen, dich verstecken und am Ende wie ein Feigling sterben, so wie es heute fast geschehen wäre. Oder du nimmst dieses Messer, findest diese Bestien und schaltest sie zuerst aus. Möglicherweise rettest du damit auch noch nen paar arme Seelen, die wie du ihr Ende hätten finden sollen."


Kai erkannte die Wahrheit in den Worten seines neugewonnenen Verbündeten und Freundes. Kämpfen oder fliehen. Andere Optionen gab es nicht.


Während der Fremde Kai noch wesentliche Sachen zu den Dahaka und Chronos näherbrachte, wurde Kai bewusst, dass er zwar noch immer Angst vor diesen hatte, er nun aber eine Möglichkeit zur Hand hatte, sich zu wehren. Er würde nicht mehr wegrennen. Nun sei seine Zeit gekommen, anderen zu helfen, sich zu verteidigen und ihnen die Augen zu öffnen.


Der Fremde hatte Kai alles erzählt, was er wissen wollte und hatte die Absicht, sich wieder auf seine rastlose Reise zu begeben.


"Wie ist dein Name, Fremder ?", rief Kai ihm hinterher.


"Mein Name ist Legion, denn wir sind viele", sprach der Fremde mit einem Lächeln.


"Aber du darfst mich ruhig Shudu nennen."


Mit diesen Worten verschwand der nun nicht mehr Fremde in die Nacht. Auch Kai lächelte; hatte er einen mächtigen Verbündeten gefunden und war nun nicht mehr allein.


So verschwand auch Kai in der Nacht. Diesmal aber nicht, um den Dahaka zu entfliehen.


Nein. Diesmal würde er sie finden, bevor sie ihn finden würden.

20.7.16 15:25
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung